Das A und O eines Erklärvideos, beschrieben durch die wichtigsten Fachbegriffe

Jede Branche hat ihre eigene Fachsprache, und die Welt des Motion Designs und der Animation sind natürlich keine Ausnahme. Vieles kennst du vielleicht schon von Filmen … Kamerafahrt, Storyboard, Szene, Fotografie, usw. und fast alles gilt auch in diesem Bereich. Aber ein prägnantes Glossar sorgt für Klarheit. Wie eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen uns und unseren Kunden aussieht, haben wir bereits in diesem Blogbeitrag geschildert. Von den sogenannten Spielregeln bis zu den einzelnen Phasen einer Filmproduktion lassen wir unsere Leser*innen hinter die Kulissen blicken und geben ihnen einen Kompass an die Hand. Mit diesem Artikel möchten wir nun einen Schritt weiter gehen und mit Bespielen aus unseren Produktionen zeigen, was hinter jedem Begriff steckt. Bist du bereit?

Logline

„Ein überängstlicher Clownfisch muss die Sicherheit seines Riffs verlassen und den Gefahren des Meeres trotzen, um an der Seite eines anderen Fisches seinen verlorenen Sohn zu finden. “

Wir sehen schon das Grinsen auf deinem Gesicht. Es spielen sich bestimmt schon ein paar Szenen aus Film in deinem Kopf ab. Was du oben gelesen hast, heißt Logline und sie beschreibt die Handlung eines Filmes in einem kurzen Satz. Wir verfassen sie zusammen mit unseren Kunden im Rahmen unseres Storytelling-Workshops: Sie ist die inhaltliche und erzählerische Ausformulierung der Essenz des Filmes. Weil wir wissen, dass „aus großer Macht große Verantwortung folgt”, fungiert die Logline als Maßgabe und Referenzpunkt für alle weiteren kreativen Entscheidungsprozesse in den folgenden Produktionsschritten. Sie hilft uns – und unseren Kunden, sich zu vergegenwärtigen, wo wir uns befinden, welche die Hauptzutaten des Erklärfilms sind und für wen wir ihn produzieren. 

Konzept

Hier lassen wir den Motor einer Produktion langsam warmlaufen. Auf Grundlage der Logline formulieren wir kreative Ausgestaltungsmöglichkeiten des Films, die Inhalt und Haltung besonders gut transportieren können. Was soll in dem Film passieren? Wie wollen wir es erzählen? Wo findet die Handlung statt? Diese und ähnliche Fragen versuchen wir zu beantworten, um eine konsistente und überzeugende Geschichte zu erzählen. Oft sind wir  so inspiriert, dass wir unseren Kunden mehr als ein Konzept präsentieren und sie entscheiden lassen. Wie in dem Fall für den Film zum Thema Frauen in der Kommunalpolitik für die Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin e.V. (EAF)

Konzept

Moodboard und Referenzen

Um das möglicherweise noch sehr abstrakte Konzept in einen visuellen Kontext zu betten, brauchen wir etwas Greifbares wie ein Moodboard. Allerdings können wir es nicht oft genug sagen und wiederholen: Das Moodboard ist kein finales Design! Es zeigt die möglichen gestalterischen visuellen Richtungen für die Umsetzung des Films – durch eine kuratierte Auswahl von visuellen Referenzen, um unseren Kunden die kreativen Überlegungen anschaulich zu präsentieren. Als Beispiel zeigen wir dir, was Karolin Nusa und wir dem Jugendhaus Düsseldorf für die Produktion eines Teasers vorgelegt haben. Sie fanden den Vorschlag sehr gelungen, passend zu den jungen Zielgruppen und waren sofort dabei! 

Um ein Moodboard zu erstellen, müssen wir zuerst viel zum Thema recherchieren und passende Referenzen auswählen. Die sind wichtige Quellen, die wir für die Umsetzung verwenden können. Für eine Produktion hat unser Leo interessante Bespiele zum Thema Employer Branding und Recruiting gesammelt und einen Blogartikel (Link zu Leos Artikel) darüber geschrieben. Reinschauen lohnt sich!!

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Script 

Aka Drehbuch. Der Sprecher*innentext (oder Voice-Over-Text) und die grobe Beschreibung der Auflösung in Szenen, sprich die Visualisierungen auf Bildebene, kommen im Script zusammen. Dies ist in den meisten Fällen für unsere interne Nutzung gedacht, die Kunden sehen es durch das Boardmatic. Von daher nicht wundern, dass es hier kein Beispiel zu sehen gibt. :-) Einfach weiter lesen, es gibt noch ein paar Schritte, bevor wir zum Boardmatic kommen. 

Storybits

Kurz gesagt: grob, aber klar! Es handelt sich nicht um ein Kunstwerk. Durch das Skizzieren der einzelnen Frames, sprich die Auflösung der einzelnen Szenen, verwandeln wir das Script von etwas ausschließlich Geschriebenem in etwas Visuelles. Und dieser Prozess, den wir dank Andrés Alarcón zum ersten Mal für #StolenMemory umgesetzt haben, heißt Storybits. Es ist die Vorstufe von einem Storyboard, sein Skelett oder seine wesentliche Form sozusagen. Hier übrigens ein Beitrag zum Making-of des Projekts.

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Storyboard

Alles, was auf den Storybits skizziert wurde, kommt ins Storyboard in einer verfeinerten Version, um die szenische Vision für den Film widerzuspiegeln. Ein Storyboard vereinfacht den gesamten kreativen Prozess, indem es greifbare, visuelle Informationen zu einem Projekt liefert und das Treffen von wichtigen Entscheidungen in der Vorproduktion ermöglicht. Die Erstellung eines Storyboards ist zwar zeitaufwändig, spart aber auf lange Sicht Zeit (und Geld). Auch das wird den Kunden nicht gezeigt, sondern ist immer noch für die interne Nutzung des Teams gedacht. Weiter unten kannst du einen Teil des Storyboards für das Haufe MTS Film anschauen, das die Illustratorin Kika Klat zusammen mit unserer Motion Designerin Meng konzipiert hat. 

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Oder hier ein Abschnitt aus dem Storyboard des Illustrators und Motion Designers Qian Hao für die Serie One Constitution for all Syrians im Auftrag des Europäischen Zentrums für kurdische Studien (EZKS).

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Boardmatic

So, jetzt sehen die Kunden die visuelle und die Textebene auf einmal und bekommen schon ein Gefühl für den gesamten Film sowie ein Gespür für das Timing verschaffen. Das Bildmaterial in Form von S/W Skizzen – Stil und Detailgrad hängen von Illustrator*in ab – wird in Kombination mit dem gesprochenen Text gezeigt. Das Script wird entsprechend der Dramaturgie der Szenen und der Länge des Boardmatics niedergeschrieben. Darunter wird eine Platzhalter-Sprachaufnahme des VO-Textes durch einer Person aus unserem Team gelegt. In finales Design oder animierte Elemente sind noch nicht zu sehen, aber Boords erlaubt uns das Abspielen dieser Abfolge auf eine einfache und verständliche Weise. Wir sind von diesem mächtigen Tool begeistert und stimmen unserem CEO, Team Motion Lead & Produzent Toby in seinem Testimonial total zu. Hier ein Screenshot aus dem Boardmatic, das unsere Illustratorin & Motion Designerin Lena für den Kinotrailer für Greta & Starks gemacht hat. 

Styleframes

Am Anfang war das Moodboard! Jetzt geht’s ans Eingemachte: Wir entwickeln auf Grundlage der definierten und abgenommenen Stilrichtung den visuellen Entwurf für den Film – also das finale Design inkl. Farbpalette und Typografie, das wir in ein paar Schlüsselszenen aus dem Storyboard illustrieren und festlegen. Die Styleframes basieren entweder auf Corporate Identity Elementen unserer Kunden oder wenn die Option gewählt wurden – unserer kompletten gestalterischen Freiheit. Hier die Styleframes, die die Illustratorin Dorota Orlof für den Film über die quelloffene Softwaresuite für die Digitalisierung von Kulturgutfür des Kitodo e. V. konzipiert hat. 

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Illustration

Dieser Begriff ist selbsterklärend, oder? Die Illustrationen werden nach der Freigabe der Styleframes angefertigt. Alle in dem Storyboard bzw. Boardmatic aufgelösten Szenen und Elemente werden schließlich bis ins letzte Detail illustriert. Unsere Kunden sehen sie gesammelt im Animatic. Oh, noch ein mysteriöser Begriff, den wir gleich enthüllen werden. :-)

Voice Over

Wenn der Sprecher*innentext von Kundenseite final abgenommen ist, dürfen wir ins Studio gehen und professionelle Sprecher*innen anleiten, die Botschaft des Filmes mittels ihrer Stimme rüberzubringen. Der Text aus dem Script wird als Audio aufgenommen und in das Animatic eingebaut.

Animatic

Mit dem Animatic kommen wir zur letzten Station vor der finalen Produktionsphase. Hier haben wir noch Zeit, Änderungen vorzunehmen; danach wird es komplizierter, aufwändiger und eventuell riskieren wir, den gesamten Film zu verschlimmbessern. In dem Animatic zeigen wir den Kunden alle finalen Elemente des Films im Zusammenspiel: Illustrationen, Musikentwurf und Voice-Over mit dem richtigen Timing. Auf diese Phase können wir nicht verzichten, obwohl wir oft Diskussionen (mit Storyboard-Überzeugten oder aus Kostengründen) führen müssen. Wie bereits oben beschrieben, ist das Storyboard ein wesentlicher Bestandteil der Produktion, aber es verlangt im Vergleich zum Animatic ein höheres Abstraktionsvermögen. Und für diejenigen, die nicht in der Branche tätig sind, ist es daher nicht die beste Lösung, um den Film als Ganzes zu betrachten. Als Tool für die Präsentation nutzen wir wieder Boords oder nach Bedarf auch Vimeo, wie in dem Fall des Umweltschützer*in Pakets für wirBERLIN. Hier kannst das Animatic für die Episode zum Thema Verkehr mit den Illustrationen von Daniel Ramirez Perez sehen. Wenn das finale und gesammelte Feedback vorliegt, setzten wir die Änderungen um und dann geht es direkt zur nächsten Phase, zum point of no-return! 

Fein-Animation

Wir sind fast am Ziel! In dieser Phase sind unsere Motion Designer*innen mit der hochwertigen finalen Animation des Films beschäftigt. Alle Szenen und visuelle Elemente werden bis ins kleinste Detail vollständig animiert. Dazu gehören zwei Vorstufen: Die Vorbereitung der Illustrationen für die Animation und das Riggen aller Figuren, wenn es in dem Film Charaktere gibt. Warte mal kurz, nicht so schnell: Was ist genau mit Riggen gemeint? Ein Character-Rigg ist im Wesentlichen ein digitales Skelett, das wie ein echtes Skelett aus Gelenken und Knochen besteht. Unsere Motion Designer*innen schaffen eine bewegliche Struktur und bringen somit den Charakter während der Animationsphase in die gewünschte Position.

Dieser Schritt ist extrem zeitaufwändig, da der Prozess pro Position – Ganzkörper, frontal, Seitenansicht und Gesichtsausdrücke – wiederholt werden muss. Daher ist die Abnahme des Animatics so wichtig! Wenn alles gut aussieht und am richtigen Platz ist, leiten wir unseren Soundmenschen die Datei für den Feinschliff weiter.

Sounddesign

Soundeffekte und komponierte Musik als Gesamtwerk für den Film. 

Der Musikentwurf steht seit dem Animatic fest. Nach Fertigstellung der Animation müssen „nur noch” die Ausproduktion auf Länge des Filmes und das Sounddesign erfolgen. Soundeffekte und Foley-Sounds – künstliche Geräusche, die eine Illusion von Realität in der Szene verstärken, werden hinzugefügt. Dadurch werden bestimmte Teile und Elemente in der Animation hervorgehoben, wobei der*die Sounddesigner*in dem Briefing des kreativen Leiters folgt. Zum Schluss wird die Tonspur – Musik, Soundeffekte und Voice-Over – final gemischt und gemastert, sowie das finale Erklärvideo in dem gewünschten Format durch Export und Kodierung rausgerendert. Et voilà! Die Botschaft kann in die Welt hinausgestreamt werden. 

Die Soundebene spielt eine wichtige Rolle, die oft unterschätzt wird. Eine unpassende Musik kann die emotionale Wirkung des Filmes schwächen. Weil wir das nicht wollen, arbeiten wir gerne mit Profis. Hier Beispielen von Produktionen, wo wir großartige Sounddesigner gewinnen konnten.

Die unbekannten Helden vom Robert Koch-Institut – mit Alex Stolze

Jewish Places – mit Nikolaus Radeke

Der Elefant im Raum – mit Philipp Koller

Transparency International – Asset Declarations – mit  Uwe Bossenz

One Constitution for all Syrians – EZKS – mit Federico Truzzi 

Noch mehr? 

Das ist es! Das wesentliche Wissen zur Produktion eines Erklärfilms. Und was ist eigentlich mit dem Thema Kamerafahrt, das wir am Anfang kurz erwähnt haben? Leider ersetzt ein Blogartikel einen Intensivkurs für aufstrebende Regisseur*innen nicht. Aber wir können sehr gerne einen hilfreichen Tipp geben und euch den ausführlichen Beitrag The 16 Types of Camera Shots & Angles (Video Guide) von Boords empfehlen.

Was ist dein Thema, das du gerne auf die große Leinwand bringen möchtest? Die Schlüsselbegriffe und den Prozess kennst du jetzt, wir können gerne demnächst anfangen!